Der Blog für Recruiter und Talente

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Arbeit: Sind Sie Hard oder Heart Worker?

Ist Arbeit für Sie Notwendigkeit oder Freiheit?

Albert Camus schrieb in »Der Mythos von Sisyphos«:

»Aufstehen, Straßenbahn, Büro, Essen, Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, immer derselbe Rhythmus – das ist sehr lange ein bequemer Weg. Eines Tages aber steht das Warum da, und mit diesem Überdruss, in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an. «

Freiheit bedeutet nicht, irgendwas tun zu können, sondern zu wissen, wofür man sich einsetzt. Oft fragen wir nicht nach dem ›Warum‹. Wir leben in einer Gesellschaft des ›Wie‹. Wie kann ich meine Ziele erreichen? Wie kann ich noch erfolgreicher werden? Arbeit bedeutet hier leiden, sich schinden, sich immer im Kreis bewegen, völlig ohne Ziel. Was hat man davon? Wie kann man so sich und die Welt verändern? Arbeit hält uns auf Trab, lässt uns aber nirgendwo ankommen. Sie ist die Notwendigkeit des Lohnerwerbs.

Wie kann Arbeit zu Freiheit werden? Wie können wir uns mit ihr weiterentwickeln, uns Selbst entfalten? Denn eines ist klar: Nichts ist erschöpfender als Langeweile und Untätigkeit. Arbeit ist das Salz des Lebens, Arbeit bedeutet Würde, die wir uns im Schweiße unseres Angesichts verdienen.

Freiheit ist eine notwendige Kombination aus Authentizität und Autonomie.
Wann sind wir autonom, wann authentisch?
Es ist nicht wichtig, wer Du glaubst zu sein und was Du darstellen willst – sondern was die Welt für Dich bereithält!

Authentische Autonomie – ist diese neue Autonomie, in der wir unsere Aufgaben verinnerlichen, in der wir nur für uns Selbst, für unser Ego kämpfen und in der die Arbeit auf uns und alle Bereiche unseres Lebens übergreift, wirklich unsere freie Handlung und Entscheidung? Oder wird uns nur dieses Gefühl vermittelt in einer subtilen und freiwilligen Knechtschaft, der wir nicht entkommen können? Können wir der Arbeit noch entfliehen? Inzwischen überwachen wir uns und unsere Leistungen schon selbst, und wenn die Ziele des Unternehmens nicht erreicht werden, fühlen wir uns schuldig. Wir wollen unseren Status und unsere Rolle aufrechterhalten. Wir kennen den Feind nicht, wir erkennen nicht, dass wir Selbst dieser sind. Wir deuten diesen Status um und glauben an unsere Eigenständigkeit, unser Durchsetzungsvermögen, unsere Unabhängigkeit. Wir übernehmen Verantwortung für unsere eigene Existenz – die nicht die Unsere ist. Wenn wir wirklich frei sein wollen, müssen wir uns von äußeren und heute zunehmend inneren Determinismen wie uns selbst als Wert und Sinn und unserem Egoismus verabschieden. Der Mensch existiert zuerst und erschafft sich dann sein „Wesen” – so lautet einer der Sartreschen Grundthesen in Bezug auf die menschliche Realität. In seiner Grundstruktur ist der Mensch ein „Nichts” (néant). Um dem zu entgehen, identifiziert er sich in der vorstrukturierten Welt mit einem „Selbst”. Derjenige aber, der seine grundlegende Nichtstruktur akzeptiert und sich nicht für ein objektiviertes „Selbst” hält, existiert nach Sartre authentisch.

Sich ein Wesen geben zu wollen bedeutet gerade, dass man seinem Wesen entfliehen will. Wenn das, was wir tun eine außer diesem Tun liegende Begründung erfordert, handeln wir nicht authentisch, nicht lebendig. Wir erstarren in unseren Rollen. Wir sind der Kellner, der Marketingmanager, der Informatiker. Wir spezialisieren uns und unsere Bedürfnisse, üben unsere Rollen Tag für Tag in ewiger Wiederholung, Routine und Gewohnheit ein, achten darauf, wie wir wirken und machen uns so zur Ware, zum Ding. Als Verdinglichte sind wir nicht frei. Wir müssen unsere Nichtstruktur akzeptieren, wie Sartre sagt, um uns frei entwerfen zu können. Dann können wir einfach nur uns selbst spielen, ohne über uns nachzudenken, ohne uns einen Wert oder einen Sinn zu geben. Und lernen vielleicht bald, welche Wünsche wir haben und welche Projekte wir realisieren wollen. Wir klammern uns dann nicht mehr an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und verzweifeln nicht mehr übermäßig, wenn wir sie verlieren. Wir besinnen uns mehr auf das, was wir wirklich wollen. Unsere Berufung – damit sind sowohl gesellschaftliche als auch unternehmerische Aktivitäten gemeint. Authentizität ist eine Handlungsform. Sie ist ebenso eine reflexive Haltung den eigenen Handlungen als auch eine verstehende Haltung den Handlungen anderer gegenüber. Eine Art und Weise, immer wieder von neuem auf die eigene Existenz zu reflektieren und die der anderen wahrzunehmen – quasi eine neue Form der Existenz. Eine Entdeckung des Selbst und der Anderen als freie Individuen, eine Wahl der Welt und nicht des Selbst. Das Leben ist wie es ist, die Aufgaben sind wie sie sind, sie lassen sich nicht in Rollen annehmen, wenn man sich voll und ganz und authentisch einbringen will. Man kann nicht alles steuern und besitzen, weder sich noch andere. Die eigene Freiheit wollen bedeutet auch, die Freiheit der Anderen zu wollen und sie nicht zu Objekten oder Rollen zu degradieren.

Was kann man tun, um authentisch und frei zu sein?

Vielleicht muss man Arbeit in ihrer Routine und Gewohnheit durchbrechen, um wieder ganz und authentisch zu sein und sich so zu Verwirklichen. Vielleicht muss man seine Arbeitszeit besser organisieren, wechseln zwischen schnellen und langsamen Phasen. Arbeit und Erholung haben nur Sinn, wenn sie täglich verbunden werden, sodass man zu sich kommen kann und sich nicht dazu hinreißen lässt, nicht mehr nach dem ›Warum‹ zu fragen. Wir müssen uns in unserer Handlungsfreiheit die Möglichkeit geben, etwas wirklich Wichtiges zu tun – dazu müssen wir nach dem Warum fragen können. Arbeit in ihrem neuen Verständnis ist prinzipiell unendlich geworden – deshalb sollten wir das tun, was mit unseren Wünschen, Hoffnungen, Begabungen und Träumen übereinstimmt und uns lebendiger macht. Wir brauchen nicht nur eine, sondern viele verschiedene Formen von Arbeit in unserem Leben, einen Arbeitspatchwork aus Erwerbsarbeit und Arbeit, die man wirklich, wirklich will.

Was meinen Sie?

Textgrundlagen

  • Sartre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie. Hamburg, 2004, 10. Aufl. [Zweites Kapitel: Die Unaufrichtigkeit, S. 119 – 153.]
    Sartre, Jean-Paul: Entwürfe für eine Moralphilosophie. Hamburg, 2005. [II. Der Appell, die Zustimmung und die Weigerung, S. 481-517.]
    Bergmann, Frithjof: Neue Arbeit, Neue Kultur. Freiamt im Schwarzwald, 2004.

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