Der Blog für Talente und Recruiter

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Macht in Unternehmen

Macht: Das »Game of Thrones« in Ihrem Unternehmen

Jedes Unternehmen hat seine ganz eigenen Spielregeln, wenn es um Macht und Einfluss, um zusätzliche Ressourcen, um Aufstieg, Karriere und Geld geht. Allerlei Masken und Rollen, Verschwiegenheiten und Verstellungen. Im Vordergrund steht der Aufbau persönlicher Macht jedes Einzelnen, hintenan steht das Wohl des Unternehmens. Mitarbeiter verfolgen nicht nur Organisationsziele, sondern im Sinne des Machtkampfes Eigeninteressen. Durch mikropolitisches Verhalten gestalten alle Mitarbeiter die informellen Spielregeln mit.

»Kollektives Handeln ist im Grunde nichts anderes als alltägliche Politik. Macht ist ihr Rohstoff.«

Macht, Mikropolitik, Spiele und Strategien gab es schon immer in Unternehmen und Organisationen. Das Spiel ist das Instrument, das die Menschen entwickelt haben, um ihre Zusammenarbeit zu regeln. Ihre Organisation oder ihr Unternehmen besteht quasi aus vielen aneinandergereihten Spielen. Das Spiel als Mechanismus hilft, Machtbeziehungen zu strukturieren und zu regulieren. Es versucht die Probleme kollektiven Handelns zu lösen und trotz widersprüchlicher Interessenslagen und Zielvorstellungen der Akteure eines Unternehmens eine Zusammenarbeit zu ermöglichen und sicherzustellen. Gerade heute können wir in Unternehmen nicht mehr von Herrschaftszuständen sprechen. Machtbeziehungen sind nicht mehr blockiert und erstarrt, sondern veränderlich geworden und ermöglichen verschiedenen Mitspielern eine Strategie. Jeder Akteur in dem Spiel um die Macht hat die Freiheit, Politik zu betreiben, d.h. zu versuchen, seine individuellen Ziele und Interessen zu verwirklichen und seine Spielstrategie zu verfolgen.
Jeder Akteur spielt und erhält dadurch die Organisation aufrecht. Er orientiert sich einerseits an seinen eigenen Interessen, andererseits an den Spielregeln, den Unternehmensstrukturen. Dabei bewegt sich alles im Spannungsfeld zwischen organisiertem Zwang und individueller Freiheit. Die Strategien, die die Akteure verfolgen, um ihre Handlungsfreiheit zu vergrößern und Ungewissheiten zu kontrollieren, geben immer Auskunft über die Systemzwänge.

Haben Sie schon einmal das Verhalten der Akteure, ihre Stimmungen und Reaktionen in Ihrem Unternehmen beobachtet? Können Sie Strategien erkennen? Dann können Sie auch die Spiele in Ihrem Unternehmen rekonstruieren, die diesen Strategien entsprechen.

Da jeder mitmischt, werden in Prozessen der Entscheidungsfindung viele Aspekte mitdiskutiert – wie in der Politik herrscht Meinungsvielfalt. Die mit der besten Strategie setzen sich durch. Trägheiten werden überwunden, Dinge vorangetrieben. Bei der Umsetzung von Neuerungen wird kräftig mitgeholfen, solange ein Nutzen für den Akteur erkennbar ist. Aber es werden auch falsche Ziele gefördert. Machtquellen werden ausgespielt, Informations- und Kommunikationskanäle kontrolliert, Informationen werden nicht weitergegeben. Die Opposition bzw. die Verlierer des Spiels um den Thron sind frustriert, misstrauisch, demotiviert. Ressourcen werden falsch eingesetzt – zum Nutzen Einzelner, aber nicht des Unternehmens.
Durch neue Kräfteverhältnisse und wenn sich die Handlungsspielräume verschieben, können starre und überkommene Regelungen zum Wohle des Unternehmens aufgebrochen werden. Oder zum Schaden des Unternehmens. Macht beruht immer auf Gegenseitigkeit und Unausgewogenheit. Es ist eher eine Erfolgs- als eine Gesinnungsethik. Machtverschiebungen, die nicht auf Neutralität und Vernunft, sondern auf gewalttätiger Aneignung und Beherrschung beruhen, stellen sich schnell gegen die Unternehmensziele. Das Dumme ist nur, dass die Machtspiele kollektives Handeln zwar erschweren, aber ebenso erst ermöglichen.

Können wir über das eigene Wollen hinaus kommen und an das große Ganze denken – zum Wohle des Unternehmens? Können Akteure sich für das Ganze verantwortlich fühlen, ihre Rollen ablegen und sich über gemeinsame Prinzipien verständigen, zugunsten der kollektiven Identität? Echte Kooperation, ohne Macht?
Versuchen Sie es doch mal mit konstruktiver Mikropolitik:

• Frühzeitige Antizipation von Konflikten und Widerständen
• Berücksichtigung der Interessen von „abwesenden“ Personen
• Möglichkeiten zur offenen Kontroverse
• Aktiver Einsatz von Machtpromotoren
• Sorgfältige Auswahl der Projekttreiber
• Aktive Beziehungspflege innerhalb und außerhalb des Projektes
• Umsetzung von Interessen ausgleichenden Lösungen
• Mediationsangebote
• Vereinbarung von Regeln akzeptierter und nicht akzeptierter Mikropolitik
• Projektreviews zur Mikropolitik

Es scheint wohl, als könne es kein außerhalb der Macht geben. Mikropolitik lässt sich nicht verhindern. Macht ist produktiv, sie produziert Wirkliches. Sie ist destruktiv, exklusiv, unvernünftig. Aber immer in Bewegung. Wer in der Unternehmensleitung Spielregeln definiert, die negative Wirkungen eindämmen und positive Wirkungen nutzen, kann insgesamt konstruktiver werden.

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